Lehrstellenangst
Gerade lese ich, daß jeder dritte Jugendliche Angst davor hat keine Lehrstelle zu finden.
Zugegeben, die Arbeitssituation in D ist nicht umwerfend, aber meiner Meinung nach ist
die Angst in vielen Fällen selbst verschuldet. Nachfolgend mal ein paar Eindrücke
zu dem Thema.
Rückblende: Ich bin in Berlin-Neukölln zur Schule gegangen. 90% meiner mänlichen Mitschüler
in der Grundschule wollten Fußballstar werden. Daher nutzten sie ihre Freizeit auch
nicht unbedingt um ihre Hausaufgaben zu machen. Ein (deutscher) Mitschüler schrieb in der
sechsten Klasse das Wort Jeans als "Schins" an die Tafel und fragte die Leute regelmäßig
"Welche Uhr ist es?" um die Uhrzeit zu erfahren.
Der Vater einer Bekannten besitzt eine Firma, die Gehsteigplatten verlegt (diesen viereckigen
Dinger auf dem Gehweg, genau). Er hatte allen ernstes Probleme einen Azubi zu finden. Nicht,
weil sich keiner beworben hat und sich die Jugendlichen zu fein für die Arbeit sind. Nein,
er hat einfach keinen Bewerber gefunden, der in der Lage war die benötigte Quadratmeterzahl
an Bodenplatten auszurechnen, wenn man ihm Länge und Breite der zu bedeckenden Fläche
gesagt hat.
Wärend meines Studiums bin ich vier Jahre jeden morgen ca. 45min mit dem Bus quer durch Berlin in's Zentrum
getuckert. Je nach Uhrzeit hatte ich die mehr oder weniger große Freude die Gesellschaft von
Jugendlichen zu genießen. Der Bus fuhr durch mehrere unterschiedliche Wohnviertel und
an mehr als einer Schule vorbei. Ich denke also, das ich einen recht repräsentativen Querschnitt
über die Schülerschaft dieser Zeit genossen habe. Bedenklich stimmte mich schon damals die
Tatsache, das die wenigsten Jugendlichen in der Lage waren sich normal zu artikulieren.
Das fing mit der Aussprache an, wo es deutschen wie ausländischen Jugendlichen nicht möglich
war einen erkennbaren Unterschied zwischen ch und sch hervorzubrigen. Es war großen
Teilen auch nicht möglich auch nur einen einzigen, grammatikalisch korrekten Satz zu formulieren,
geschweige denn eine Diskussion zu führen, die diese Bezeichnung verdient.
Ich möchte hier keinesfalls der heutigen Jugend die alleinige Schuld geben. Dafür
habe ich die Sparwut des Berliner Senats, die idiotische Beamterei der Schulverwaltung und die
katastrophalen Verhältnisse in einigen Familien noch zu gut aus eigener Erfahrung in Erinnerung.
Andererseits frage ich mich, was solche Leute überhaupt zu erwarten haben und wie lange
das in D noch weitergehen kann.